Hat das Fernsehen Angst vor dem Internet?

Gepostet von Der Winter am 1. Dezember 2007
2 Kommentare | Kategorie(n): Medien

Es schreibt das Jahr 2002 in Erfurt, Deutschland muss seinen ersten Schüler-Amoklauf erleben. So schlimm wie das Ereignis war und ist, so willkommen scheint es den Fernsehsendern zu sein. Sofort beginnen alle großen TV-Sender, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich, mit einer Hetzkampagne wie sie Deutschland bisher nicht erlebt hat und die schon fast an die Pauschalisierung von Bart tragenden Moslems nach den Anschlägen in den USA erinnert. Sonst so objektive Magazine wie “Frontal21″ oder auch “Hart aber Fair” fangen genau so an die Wahrheit zu verbiegen wie die einschlägigen Formate der Privaten. Exemplarisch wird dies sehr schön für einige öffentliche-rechtliche Sendungen gezeigt im nachfolgenden Video:

[youtube R9JRm3iQQak nolink]

Doch woher kommt es das selbst die sonst objektiveren Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf diesen Zug aufspringen?Schauen wir uns in dem Bezug doch mal Fernsehsender und deren Verhältnis zum Internet exemplarisch an den Top100 der deutschen Websites nach Alexa an. Hier finden wir nur 2 Sender und dies auch nicht unbedingt auf rühmlichen Plätzen: RTL auf Platz 52 und Pro Sieben auf Platz 91. (Quelle, Stand 1.12.2007) Trotz des großen Budgets, welches sowohl ARD als auch ZDF in ihre Internetprojekte stecken, scheint dies nicht von den Internetnutzern auf breiter Ebene angenommen zu werden.

Doch wie hängt das mit “Killerspielen” und deren Spielern zusammen? Ganz einfach, wer ein Spiel am Computer spielt, schaut dabei nicht oder bedeutend weniger Fernsehen. Und das heißt auf gut Deutsch, die TV-Sender haben plötzlich einen riesen Konkurrenten aus einem Bereich bekommen, den es so vorher nicht gab. Und das schlimme aus Sicht der Fernsehsender, die Leute die Spiele am Computer spielen, nutzen auch das Internet vermehrt und intensiver. Das dies nicht in den Plan der kommerziellen Sender passt, welche das Internet vor allem als einen Weg des direkten Geldverdienens sehen, erklärt sich von selbst. Für die Sender die von Rundfunkgebühren finanziert werden ist die Lage anders, doch es geht, wie fast immer, auch ums Geld. Seit Jahren werden Millionen in die Webauftritte (www.ard.de, www.zdf.de, www.tagesschau.de, etc.) gepumpt, doch die Userzahlen sind nicht unbedingt umwerfend. So schafft es www.ard.de, die meist aufgerufene Website der öffentlich-rechtlichen Sender, nur auf den weltweiten Traffic Rank 5.765 bei Alexa. Zur Einordnung, die Traffic-mäßig grösste deutsche Website (Websites ausländischer Firmen ausgeschlossen) ist www.studiverzeichnis.de und belegt immerhin Platz 194 im weltweiten Vergleich. Aber damit das besser wird, erhöht die GEZ zum Jahreswechsel ja erstmal die Gebühren…

Zurück zu den vermeintlichen Killerspielen und dem Amoklauf bzw. den Amokläufen, welche Gottseidank, zumindest teilweise vereitelt werden konnten. Was macht es so interessant ausgerechnet auf dieser Basis “Zocker” anzugreifen und Stimmung gegen diese zu machen? Auch hier ist die Antwort wieder recht einfach, sie kehren regelmäßig wieder, sprich man kann eigentlich immer gegen “Killerspiele” mobil machen, egal ob das Thema Amoklauf grad akut ist oder nicht. Und die Gesellschaft verurteilt das töten unschuldiger aufs Schärfste, wie es ja auch durchaus richtig ist.

Zusammen genommen haben die Fernsehsender also eine Kombination die es Ihnen erlaubt die erziehende Generation in eine Panik zu versetzen. Die Panik davor dass das eigene Kind zu einem Amokläufer werden könnte, nur weil es CounterStrike oder Battlefield spielt. Das stattdessen, vielmehr ein Scheitern der Gesellschaft in Fragen der Erziehung sowie das Schulsystems die Grundlage für Amokläufe sein könnten, kehrt man dann noch Geschwind unter den Tisch und man hat, eine scheinbar schöne Waffe um sich im Internet durchzusetzen. Schließlich würde wohl keine Mutter schimpfen wenn Ihr Sohn auf rtl.de surft anstatt CS zu spielen.

Das dieses Konzept scheitert kann nur im Sinne der Gamer aber auch der Gesellschaft sein. Konstruktives Denken und Handeln, also das Gegenteil zur Hetzkampagne gegen Ego-Shooter & Co., wird uns heute schon in der Schule versucht beizubringen, in Firmen ist es jedoch schon an der Tagesordnung der Anforderungen an die Mitarbeiter. Wie sehr das Konzept scheitert, lässt sich erneut aus den Top100 der deutschen Websites nach Alexa ablesen. Immerhin 5 Zeitungen und 1 Verlag, also die ursprüngliche Konkurrenz des Fernsehen, schaffen es in die Top100; Spiegel.de (Platz 14), Heise.de (19), Chip.de (32), Sueddeutsche.de (62), Stern.de (69) und Welt.de (95) Selbst die objektivste Betrachtung zeigt das die Printmedien, welche das Internet ursprünglich fürchteten als wär es der Weltuntergang, heute besser das Internet nutzen als die TV-Sender. Da ist es kein Wunder das die Kampagnen gegen Computerspiele in den Printmedien weniger bzw. die Betrachtung bedeutend objektiver ist.

Vielleicht ist es nun endlich an der Zeit das auch das Fernsehen und insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender von ihrer Hetzkampagne abrücken und zur, sie sonst oft auszeichnenden, Sachlichkeit zurückkehren. Damit in Zukunft aktiv und objektiv diskutiert werden kann was Amokläufe auslöst und wie man diesen geeignet entgegen treten bzw. verhindern kann. Vielleicht klappt’s dann auch mit den Webseiten… ;-)

Freiheitliche Grüsse

Der FreiGen’er

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Aktuell gibt es 2 Kommentare.

  1. Frei-Gen'er sagt:

    Und das ZDF hat, wenn auch in einer sehr armseligen Art und Weise, darauf eine Reaktion abgegeben. Lest’s am besten einfach selbst.

  2. Aufschnürer sagt:

    Schön kombiniert, aus dieser Sicht hatte ich das bisher noch gar nicht betrachtet.

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