Deutschland voran bringen – mit Studiengebühren!

Gepostet von Der Winter am 9. September 2008
Keine Kommentare | Kategorie(n): Politisches

Die Debatte über Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen dürfte neben der über die Hartz Reformen, die am intensivsten geführte gesellschafts- und sozialpolitische Debatte der letzten Jahre in unserem Land gewesen sein. Berühmt, berüchtigt wurde unser angrenzendes Bundesland Hessen für die peinlich geführte Debatte über Studiengebühren; welche weit ab von jeglicher Realität und Sachlichkeit statt fand. Im nachfolgenden möchte ich darlegen weshalb Studiengebühren ein wichtiger Schritt hin zur Bildungsgerechtigkeit und Leistungsgesellschaft sind.

Das scheinbar größte Argument der Befürworter, zumindest werden wir dies oft glauben gelassen, ist das die öffentlichen Haushalte kein Geld haben und dementsprechend die Studiengebühren eine wirkungsvolle und für den Staat kosten neutrale Möglichkeit seien, die Universitäten mit mehr Geld zu versorgen. Wenn man genauer hinschaut sieht man schnell das die Bildungsausgaben in Deutschland noch immer deutlich hinter denen der meisten anderen Industrienationen zurück hängen. Doch viel wichtiger ist das Bildung und Infrastruktur die Letzten zwei Sachen sind woran ein Land sparen darf. Diese 2 großen Posten der öffentlichen Haushalte bestimmen mehr wie jeder andere, zum Beispiel der des Militärs oder der Sozialleistungen, wie wettbewerbsfähig und wie „reich” unser Deutschland in der Zukunft noch sein wird.

Viel wichtiger ist das mit der Einführung von, im internationalen Vergleich sehr niedrigen, Studiengebühren sich das Verhältnis zwischen Student und Universität ändert. Der Student wird plötzlich zum Kunden - wie er es in vielen Ländern schon lange ist – und dementsprechend steigen seine Erwartungen an die Universität. Schließlich kauft niemand gern eine schlechte Ware wenn er zum gleichen oder ähnlichen Preis etwas besseres bekommen kann. Und letztlich ist Bildung nichts anderes als eine Ware; vielleicht wohl die wertvollste die ein Land produzieren kann. Diese Erkenntnis, das Bildung eine kostbare Ware ist und schlicht keine kostenlos und unbegrenzt vorhandene Ware, wie etwa die Luft die wir atmen, die von englischsprachigen Ökonomen auch als „Free Good” bezeichnet, wird ist entscheidend in einer Zeit klammer öffentlicher Haushalte und vielen Zukunftsängsten.

Parallel einher geht die Feststellung das es in einem Studium in aller erster Linie um die Ausbildung von zukünftigen Arbeitskräften geht. Ich möchte nicht soweit gehen das humboldtsche Universitätsideal tot zu sagen, doch mit der Umsetzung des Bologna Prozesses (Umstellung von Diplom auf Bachelor und Master) und der hoffentlich stärker werdenden Erkenntnis das Bildung das wertvollste Gut ist, welches Eltern ihren Kindern mitgeben können, ist der Anteil des Forschens im Studium endgültig auf dem Rückzug aus den meisten Studienrichtungen. Und ganz ehrlich, ist diese Ausbildung und Vorbereitung für die spätere Arbeitswelt nicht das was die Masse der Studenten braucht? Und sind es nicht diese schmerzhaften jedoch gleichzeitig zu verkrafteten ca. 500 € im Semester an Studiengebühren die sowohl den Studenten wie auch den Eltern klar machen können, das eine Universität eben kein Langzeiturlaub ist wo man vielleicht, wenn man grad die Muse hat, ein bisschen was philosophiert? Ohne Frage, diese Gebühren erhöhen den Druck auf Studenten – und genau das ist gut und richtig so.

Wir leben heute in einer Leistungsgesellschaft – wenn wir unseren Studenten, der Bildungs-Elite Deutschlands, nicht zutrauen hiermit klar zu kommen, wem dann?

Im Endeffekt jedoch müssen Gebühren die den Besuch einer staatlichen Bildungseinrichtung erlauben immer sozial verträglich sein. Ohne diese Gegebenheit wäre nicht nur der Grundsatz der Chancengleichheit verletzt, sondern noch dazu der freie Zugang zu (höherer) Bildung blockiert. Damit dies sichergestellt ist, bietet sowohl die KFW, wie auch eine Reihe anderer, teils sogar privater, Banken eine Finanzierungsmöglichkeit für die Studiengebühren an. Damit ist die Durchlässigkeit nach oben in der Regel sichergestellt und ein Hauptargument gegen Studiengebühren entkräftet.

Andersherum, ist es jedoch wichtig die Allgemeinheit nicht übermäßig mit der eigennützigen Ausbildung anderer zu belasten. So stellte Josef Siegers von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände interessant und zutreffend zu gleich fest: “Es gehört schon zu den erstaunlichen Befunden dieser Gesellschaft, daß diese Umverteilung von unten nach oben widerspruchslos hingenommen wird, ja gerade von denen verteidigt wird, die sich als Sachverwalter der Verlierer an diesem Umverteilungsprozeß verstehen.” Den letztlich ist der Nutzen eines einzelnen am Studium immer größer als der Nutzen den die Gesellschaft aus diesem Studium zieht oder ziehen kann. Was genau das bedeutet? Im Endeffekt ist es ganz einfach; die durch die Studiengebühren in ganz Deutschland erzielten Mehreinnahmen könnte auch der Staat aufbringen – wie alles was der Staat finanziert wäre dies allerdings ein weiterer Eingriff in die Steuerlast der Bürger: Egal ob diese Steuern vom Verkäufer, der Putzfrau, dem Facharbeiter oder der Managerin aufgebracht werden. Es würden weiterhin alle Steuerzahler die komplette Last, die durch Universitäten nun mal logischerweise entsteht, tragen. Ist es hier nicht einfach fairer denjenigen der eine höhere Bildung anstrebt, und damit in der Regel auch höhere Einkünfte erzielen kann, stärker an dieser Last zu beteiligen?

Den genau dieser gesunde Egoismus, der ganz nebenbei auch noch essentiell für das bestehen eines leistungsfähigen Kapitalismus in der deutschen sozialen Marktwirtschaft ist, ist es der die meisten Leute ein höheres Einkommen erzielen lassen will und somit zum Studium bewegt bzw. bewegen sollte. Für diese Botschaft stehe ich ein, auch wenn mir mein Studium und damit auch die Studiengebühren erst noch bevor stehen.

Freiheitliche Grüsse

Der Frei-Gen’er

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