RA Starostik – Mr. Anti-Vorratsdatenspeicherung – meets Google Analytics

Gepostet von Der Winter am 29. Juli 2008

Eigentlich könnte man Ihm den Titel Mr. Anti-Vorratsdatenspeicherung verleihen. Er ist der Beschwerdeführende Anwalt gegen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung vor dem Verfassungsgericht, er tut dies pro bono (= ohne Entlohnung), nutzt alle rechtlichen Mittel aus um dem wohl grössten Angriff auf die Privatsphäre der jemals von der Bundesregierung ausging, im Namen von ca. 34.000 Klägern, Einhalt zu gebieten und ist auch sonst in diesem Bereich sehr aktiv (so hat er z.B. zusammen mit dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK VDS) eine grosse Umfrage zu den Folgen der Vorratsdatenspeicherung  (VDS) durchgeführt) .

Das alles verdient großen Respekt, keine Frage – doch da ist diese kleine schmutzige Detail.

Doch von vorn, alles auf null, worum geht es?

Vorgestern war es mal wieder soweit, ich erlebte einen dieser Zufälle die einen zum Grübeln und Nachdenken bringen. Sie kommen meist ganz unverhofft und können einen zuviel nachdenkenden Menschen, wie mich, schon mal ohne Probleme tagelang beschäftigen.

Ich war seit längerem mal wieder dem einzigen Link zu einer “politischen” Gruppierung, der bisher auf meinem Blog existiert, gefolgt: dem Link zum AK VDS. Ich las mich fest, wollte mal schauen wie der Stand der Dinge ist und landete letztlich bei Herrn RA Starostik; bei dem ich ja immerhin (im weiteren Sinne) auch Mandant bin, da ich die Sammel-Verfassungsbeschwerde über eine Vollmacht mit eingereicht habe.

Da die Webseite des RA Starostik erst nicht richtig dargestellt wurde, checkte ich mein Firefox PlugIn NoScript und lies die Skripte von besagter URL zu. Die Seite funktionierte von nun an korrekt – doch im zweiten Augenblick viel mir auf das die Zweite Quelle von geladenen Skripten auf besagter Seite das allseits bekannte Google Analytics war und ist (siehe Screenshot).

Screenshot der Homepage von RA Starostik am 28.07.2008

Nun kann man sicher geteilter Meinung über die Datensicherheit bei Google sein und es bleibt unklar ob Herr Starostik der von Google bei allen Nutzern von Google Analytics angefragten Freigabe, die gesammelten Daten für andere Google Services nutzen zu dürfen, zugestimmt hat. Insgesamt bleibt jedoch das Kernproblem bestehen:

Google Analytics sammelt massiv Daten über die Besucher von unzähligen Webseiten und speichert diese außerhalb der Zuständigkeit deutscher Gesetze und Gerichte. Was damit genau passiert? Niemand weiß es – vertrauenswürdig ist Google an dieser Stelle mit Sicherheit nicht!

Irgendwie hinterlässt dieser Einsatz von Google Analytics bei mir doch einen faden Beigeschmack; ausgerechnet der Anwalt der gegen den staatlichen Überwachungswahn versucht vorzugehen setzt auf eine umstrittene Technik zum tracken der eigenen Webseiten Besucher.

Und immerhin, Herr RA Starostik wurde durch dieses Mandat Deutschland weit bekannt, bekam nach den Zahlen des Counters auf seiner Webseite insgesamt schon ca. 240k Besucher auf eben dieser, sicherlich einen beachtlichen Teil hiervon wegen dem Thema VDS, und hatte letztlich eben wegen diesem pro bona Mandat bereits (mindestens) einen TV Auftritt. Das soll er alles machen, ich gönne es ihm eigentlich aus tiefem Herzen – schließlich brauch es einen guten Anwalt um die grösste Verfassungsbeschwerde in der Geschichte der BRD zu koordinieren und hoffentlich zu gewinnen. Und ich will der Letzte sein der Ruhm und Bekanntheit Leuten abspricht, die sich dies durch politische Aktivität verdient haben.

Doch leider sollte es das noch nicht gewesen sein.

So weißt Google selbst darauf hin verpflichtet Google schon seit geraumer Zeit die Nutzer vom Google “Service” Analytics (Deutschland) dazu, folgendes zu tun:

“Sie sind ferner verpflichtet, an prominenten Stellen Ihrer Websites eine sachgerechte Datenschutzpolicy zu dokumentieren (und sich an diese zu halten). Auch werden Sie alle zumutbaren Anstrengungen unternehmen, die Aufmerksamkeit der Nutzer Ihrer Website auf eine Erklärung zu lenken, die in allen wesentlichen Teilen wie folgt lautet: …”

Quelle § 8.1 der Nutzungsbedingungen von Google Analytics (Thx Matthias R., das war überraschend schwer zu lokalisieren)

Nun habe ich mich daran gewöhnt, das die meisten Mitmenschen AGB, ToS (Terms of Service) und Nutzungsbedingungen schlicht ignorieren. Das dies auch Anwälte tun, überrascht mich dann doch ein wenig. Dem scheint jedoch so, den ich konnte selbst nach einigem Suchen keinerlei solche Datenschutzpolicy, geschweige den an prominenter Stelle, ausfindig machen.

Das Puzzle zusammengesetzt, bedeutet dies letztlich, Mr. Anti-Vorratsdatenspeicherung selbst, überwacht die Besucher seiner Webseite - und das auf einem illegalen Weg, da jeglicher Hinweis hierauf komplett fehlt.

Ich werde ihn die Tage in einer E-Mail schriftlich auf eben diese Probleme hinweisen. Des weiteren lege ich ihm, wie auch allen anderen Betreiben von privaten Seiten sowie Seiten von kommerziellen ausgeübten Berufen, die der Schweigepflicht unterliegen, nahelegen Google Analytics nicht weiter einzusetzen – unabhängig davon wie das “Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz” des Bundeslandes Schleswig-Holstein weiter verfahren und entscheiden wird.

Hoffentlich sieht er selbst ein, das es einem Polizist eben auch besonders übel genommen wird, wenn dieser eine alte Dame ausraubt, die er vorgibt zu beschützen.

Also, hoch respektierter Herr RA Starostik, bitte entfernen Sie dieses schmutzige Detail von Ihrer ansonsten, zu Recht, sehr sauberen Weste!

Google-Analytics-freie Grüsse

Der Frei-Gen’er

P.S.: Ich werde es natürlich auf meinem Blog posten, wenn ich die Mail bzgl. GA an Herrn RA Starostik geschickt habe und ggf. wie dieser reagiert. (Hoffentlich komm ich die Tage dazu)

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Aktuell gibt es 5 Kommentare.

  1. Rico sagt:

    Hallo Frei-Gen’er, sehr schön recherchiert! Ich bin gespannt was draus wird ;-).

    Grüße aus Karlsruhe

  2. Wow. Habe den Artikel eben komplett gelesen (normalerweise überfliege ich nur Blogs).

    Das mit Google Analytics und Weiterer Nutzung der Daten wusste ich auch nicht.

    Aber was kann ein kleiner Blogger (ohne große Mittel – also große Programme kaufen fällt weg) sonst verwenden um so eine Aufstellung wie Analytics zu bekommen?

    Ist schon blöd. Würde auch umstellen. Nur mit welchen Alternativen? Würde mich interessieren wie du es verwendest?

    Wertest du nix aus?

  3. Frei-Gen'er sagt:

    Das freut mich (also das du meinen Artikel komplett gelesen hast).

    Ich selbst (auch kleiner Blogger) setze auf kostenlose Lösungen auf dem eigenen Server. Da gibt es zum einen das kostenfreie Tool phpMyVisites (läuft bei mir), welches jedoch nicht mehr weiter entwickelt wird, und den Nachfolger Piwik, welcher noch in der Entwicklungsphase steckt und PHP 5.1 erfordert (hat mein Hoster nicht, daher setze ich es nicht ein). Beide Tools können ohne allzu großen Aufwand auf eigenen Blogs eingebunden werden (bzw. auf dem Webspace/Server auf dem der Blog liegt) und die einzigen anfallenden Kosten sind halt die erforderlichen Datenbanken und der geringe Speicherplatz.

    Parallel nutze ich zur kurzfristigen Analyse das WordPress Plugin Statpress, welches die wichtigsten Zahlen auch erfasst (längst nicht so detailliert wie Google Analytics oder phpMyVisites), aber halt auch auf jedem WordPress Blog laufen müsste.

    Abschließend kommt noch das WordPress PlugIn FeedStats zum Einsatz, welches den Feed-Traffic auswertet.

    Wie du siehst, ich bin sehr neugierig *gg* und insgesamt glaube ich das diese 3 Lösungen kombiniert ein ähnlich präzises Bild wie Google Analytics liefern, wobei phpMyVisites sicherlich das Kernelement ist.

    Ich hoffe das hilft ein wenig und ich werde die Tage auch nochmal die in diesem Blog verwendete Technik vorstellen.

    Aber ich konnte auf deinem Blog gar kein Google Analytics finden, hast es schon rausgeschmissen? ^^

  4. Danke erstmal für die umfassende Vorstellung.

    Dann warte ich mal ab bis du das vorgestellt hast.

    Werde es auch mal demnächst bei mir testen um zu schauen wie die Auswertung ist.

    Das ist aber auch schon wirklich komisch. Hab mir schon manchmal Gedanken gemacht warum google den alten Anbieter von der Analytics Software gekauft hat und das dann umsonst herausgiebt. Denn früher hat die Software doch um die 450 Dollar gekostet – soweit ich das noch weiß

  5. Hallo,

    durch Zufall stoße ich erst jetzt auf diesen Kommentar.
    Ja, die Verwendung von Google Anlaytics war ein Fehler und ich habe, nachdem ich von anderer Seite darauf hingewiesen wurde, mein Konto bei Google gelöscht. Ich habe darüberhinaus auch die Statistik bei meinem Webprovider abgeschaltet, damit niemand Angst hat, seine IP würde in der Besuchsstatistik gespeichert. Jetzt habe ich zwar keine Besucherstatistik mehr, dafür aber eine datenschutzrechtlich einwandfreie Regelung. Ich werde darauf in der Datenschutzerklärung auf meiner Seite demnächst eingehen.

    Beste Grüsse aus Berlin
    Meinahrd Starostik

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