Wenn in 16 Stunden die Wahllokale schließen…

Gepostet von Der Winter am 9. Mai 2010
3 Kommentare | Kategorie(n): Parteiliches

…wird es zu aller Erst wie immer nur Gewinner geben.

  • Die CDU wird sich freuen, dass sie aller Vermutung nach stärkste Kraft im ehemaligen Stammland der SPD bleibt.
  • Die SPD wird jubeln, dass sie nicht, wie vor etwa einem Jahr von den Demoskopen vorhergesagt, bei unter 30 % landet.
  • Grüne wie FDP werden beide über (deutliche) Prozentgewinne glücklich sein können.
  • SED/PDS/WASG/Linke ist sowieso der große Sieger, egal ob im Landtag oder nicht. Immerhin hatten sie 2005 kumuliert nur 3,1 %, was sie kaum unterbieten dürften.

Doch die echte Realität außerhalb des Düsseldorfer Landtags wird anders aussehen und es darf gespannt spekuliert werden, wer das größte Bundesland in Zukunft regiert und somit imaginär mit am Koalitionstisch in Berlin sitzt.

Und auch wenn es noch zu früh ist genaue Prognosen abzugeben, lässt sich eins schon jetzt mit Sicherheit feststellen: NRW ist nicht mehr die Heimat der SPD. Es ist Frau Kraft nicht gelungen an alte Erfolge anzuknüpfen. Von 1962 bis 2000 holte die Sozialdemokratie bei Landtagswahlen in NRW stets mehr als 40% der Stimmen. Mit Glück dürfte es heute für 37 % reichen, wahrscheinlicher ist nach den letzten Umfragen ein Ergebnis zwischen 33 und 34 %.

Die Probleme mögen vielschichtig sein und es gibt diverse Erklärungen für das Erodieren der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Für mich (als zugegebener Massen sicherlich nicht neutraler Beobachter) überwiegt jedoch eine Feststellung: Weder Frau Kraft noch Herr “Pop” Gabriel vermochten es in den letzten Wochen Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen. Ein engagierter Wahlkampf von einer vergleichsweise gut motivierten Partei (SPD) – ja; eine glaubwürdige und stolze Partei(spitze), wie ich es als Kind und Jugendlicher in NRW erlebt habe, – nein.

Und genau darin liegt das Dilemma; Sozialdemokratie kam in NRW und insbesondere im Ruhrgebiet, immerhin der sogenannten Herzkammer, immer von Herzen. Von Generation zu Generation vererbt und voller Leidenschaft als die richtige Wahl empfunden. Die Ministerpräsidenten Rau und Clement waren die letzten zwei Sinnbilder dieser sozialdemokratischen Überzeugung in NRW. Wenn heute jedoch einige meiner Bekannten und Freunde ihr Kreuz bei der SPD machen, dann weil sie es als das kleinere Übel betrachten – nicht weil sie es aus tiefer Überzeugung heraus für richtig empfinden.

Die aktuelle bundespolitische Lage mag die Situation der SPD in NRW besser erscheinen lassen als sie in Wirklichkeit ist. Doch Andreas Pinkwart hat Recht, wenn er wie Vorgestern sagt, dass es der FDP (und der CDU) gelungen ist einen Bypass um die Herzkammer der SPD zu legen.

Wenn in 16 Stunden die Wahllokale schließen, wird ganz im Stillen die Herzkammer der SPD abgestorben sein. NRW ist dann politisch ein durchschnittliches Bundesland, der automatische Heimvorteil der SPD in diesem Bundesland vorerst Geschichte.

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Aktuell gibt es 3 Kommentare.

  1. Ja klingt wahrscheinlich … ;-) Nur Gewinner – aber eventuell gibt es ja auch noch ein Überraschung :o
    .-= Kolia N. Ohmann´s letzter blog ..Gerog Gysi hat schon wieder Recht … =-.

  2. PS: Dein Neuer Blog ist echt schön geworden … gefällt mir!
    .-= Kolia N. Ohmann´s letzter blog ..Gerog Gysi hat schon wieder Recht … =-.

  3. Der Winter sagt:

    Ich bete innerlich noch das die Linke nicht in den Landtag kommt – das wäre das Beste überhaupt.

    Danke dir fürs Lob – hoffentlich schaff ich es jetzt auch halbwegs regelmäßig zu bloggen :)

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